Grundgedanke & Philosophie

Viele Menschen kennen den Ort Foncebadon.
Zwischen Astorga und Ponferada gelegen, war er kurz vor dem Ibanetapass und dem Curz de Fero ein historisch sehr wichtiger Stützpunkt für Pilger*innen. Etliche Klöster hat er beheimatet, ein regionales Konzil fand dort statt und die Bürger dieses Ortes waren befreit von Steuern, so lange sie sich im Winter um die „Stakas“ die Schneestangen kümmerten, und damit den Weg über den Pass begehbar hielten.
In den 50iger Jahren des letzten Jahrhunderts verließen die meisten Bewohner diesen unwirklich, auf über 1400 Meter hoch gelegenen Ort. Das Leben war zu beschwerlich, andere Regionen und der aufkommende Tourismus versprachen mehr Einkommen und Wohlstand.

Nur Maria, eine Bäuerin mit ihrem Sohn blieb und spielte fortan eine wichtige Rolle. Im Laufe der Jahre verfielen die Häuser zu Ruinen, Maria nutzte sie als Kuh-, Ziegen-, und Schafställe und die inzwischen zerfallene Kirche war den Stieren vorbehalten.

Durch diesen Ort führt der Pilgerweg, jeder muss ihn durchqueren, der hinunter ins Bierzo und in Richtung Galizien will.

Die heilende Wirkung des Pilgerweges und die Erlebnisse und Erfahrungen mit den vielen jungen Menschen, auch aus dem Bereich der Erziehungshilfe, auf dem Camino de Santiago beflügelten die Idee, genau an diesem Ort ein Haus zu bauen, in dem junge Menschen und Erwachsene, die in Krisen sind, Erholung und Ruhe, Rückzug und Schutz, Begegnung und Hoffnung erfahren sollen.

Die Idee eines „Europäischen Hauses der Begegnung für Menschen in Krisen“ entstand. Der Bischof von Astorga stellte uns das Grundstück des alten Pfarrhauses dafür zur Verfügung.

In unzähligen Projekten mit Jugendlichen, freiwilligen Helfern und professionellen Handwerkern entstand nach 15jähriger Planungs- und Bauzeit dieser Neubau.

Mit einigen profilierten Einrichtungen des BVKE und engagierten Privatpersonen wurde 2002 eine Trägerstruktur gegründet, die sich dafür einsetzten, die nötigen Finanzen für einen Neubauzu akquirieren.
Inzwischen haben wir es, durch die Mithilfe vieler, unter anderem auch der Familie Mack vom Europa Park Rust, geschafft.

Im Mai 2015 wurde das Haus durch den Bischof von Astorga und anderen Würdenträgern eingeweiht.

Das Begegnungs- und Kontemplationshaus ist konzipiert wie ein kleines Kloster.
Neun kleine Klausuren stehen den jungen Menschen und ihren Begleitern zur Verfügung. Ein kleiner Meditationsraum dient als geistliches Zentrum. Der Speise- und Aufenthaltsraum, sowie die offene Küche sind die sozialen Zentren dieses Hauses.
Ein Kommunikationsraum mit Bibliothek bedient das Bedürfnis, mit der Welt Kontakt zu halten und eine kleine Wohnung nebenan wird einem Herbergsvater oder einer Herbergsmutter ähnlich eines Priors oder einer Priorin Wohnstatt gibt, Anlaufpunkt, Ohr und Auge, Herz und Seele für die jungen Menschen zu sein, die Hilfe brauchen.

Kommen kann jeder Mensch, der in Not ist.
Jugendliche aus Jugendhilfeeinrichtungen benötigen die Begleitung von Erwachsenen, die ihnen pädagogisch und therapeutisch zur Seite stehen und den Aufenthalt verantworten.
Alle Nationalitäten und Menschen aller Kulturen und Religionen sind willkommen. Priorisiert werden bei der Belegung Mitgliedseinrichtungen und Mitglieder'innen, die Ruhe, Kontemplation und Rückzug benötigen.
Der Verein ist gemeinnützig tätigt und basiert auf ehrenamtlichem Engagement. Das Haus ist als Selbstversorgerhaus konzipiert.

Foncebadon wird langsam wieder ein prosperierender Ort.
Nachdem die Kirche restauriert war, kehrten Restaurants, ein Hotel mehrere Herbergen in den Ort zurück. Etliche ehemalige Bewohner bau(t)en die Ruinen zu schicken Häusern aus, die dann in den warmen Jahreszeiten als Sommerresidenz dienen.
Diese Metamorphose ist für uns, die wir dieses Haus initiiert haben, ein wunderbares Zeichen und große Motivation. Manches muss wohl erst sterben, bevor es neu erwacht – eine Weisheit, die schon im Alten Testament geschrieben steht.

Es ist aber auch ein äußerst positives Zeichen für die Menschen, die das Angebot dieses Hauses nutzen werden. Die Entwicklung des verlassenen Ortes könnte ein Beispiel für das eigene Leben werden. Aus verlassenen Ruinen entsteht etwas Neues, Konstruktives und Hoffnungsvolles.
Es ist nur wichtig daran zu glauben und aktiv etwas dafür zu tun.